Zehn Erkenntnisse aus zehn Jahren selbstreflexivem Schreiben
2015 stand ich vor den Scherben meines Lebens:
Zwar habe ich mein (spät berufenes und) geliebtes Germanistikstudium beendet, doch ein paar Monate danach gestand mir mein Mann, dass er sich in eine Freundin von mir verliebt hatte – und ich verlor auf einen Schlag zwei nahe Menschen und musste mich zurechtruckeln in ein neues Dasein mit zwei Kindergartenkindern und ohne Job.
Allerdings begann ich dank einer extrem glücklichen Fügung im selben Monat, als mein Mann sich von mir trennte, die vierjährige Ausbildung zur Schreibwerkstättenleiterin im Sinne der Integrativen Therapie, was mich wahrhaft gerettet hat, da jedes Modul sehr viel Selbsterfahrung beinhaltete.
Wie heilsam Schreiben ist, durfte ich also in einer der schwärzesten Zeiten meines Lebens selbst erfahren. Seit 2016 halte ich persönlichkeitsstärkende Schreibworkshops ab, schreibe viel und veröffentliche Unterschiedliches. Das habe ich dabei gelernt:
❤️Beginne, bevor du bereit bist❤️
Im Herbst 2015 lernte ich bei der Ausbildung eine ebenfalls alleinerziehende berufstätige Mutter kennen und sie fragte eines Tages: „Wollen wir nicht gemeinsam Workshops anbieten?“ Und schon fand das erste „Witchy Writing“ (damals noch in meiner Küche) statt – und über mehrere Jahre trafen wir uns regelmäßig, um über Allerlei zu schreiben. Seitdem habe ich mehr als 250 Workshops abgehalten – und es werden noch viele weitere folgen!
Wenn ich damals meinen Unsicherheiten und Unperfektheiten die Bühne freigegeben hätte – wer weiß, ob ich bis heute auch nur eine einzige Schreibwerkstatt abgehalten hätte! Wäre ziemlich schade, oder?
❤️ Folge deinem Herzenswunsch❤️
Nach der Trennung von meinem ersten Mann wollte mir meine Mutter einen Urlaub schenken. Ich bat sie stattdessen um einen für mich damals unerschwinglichen Schreibworkshop zum Jahreswechsel. Drei Tage lang schrieb ich die Vergangenheit um, was unglaublich heilsam war, und zum allerersten Mal in meinem Leben formulierte ich Wünsche für mich selbst in schriftlicher Form. Zu Beginn fühlte sich das holprig und seltsam an, da ich so viele Jahre meine Bedürfnisse hinter die anderer Menschen gestellt hatte, doch in meinem Schreibflow poppten viele unterschiedliche Wünsche und Visionen auf – unter anderem formulierte ich zum ersten Mal den Satz: „Ich will Schreibwerkstätten abhalten.“
Und das Beste war: Ein Teil dieser Wünsche erfüllte sich sogar noch im selben Jahr!
Hier sind ein paar Vorschläge, wie du dich deinen Vorstellungen und Visionen der Zukunft nähern kannst:
Stell dir die magische Frage, was alles möglich wäre, wenn du keinerlei zeitliche, finanzielle oder gesellschaftliche Einschränkungen hättest und mit Sicherheit wüsstest, dass nichts schiefgehen kann … Du kannst dich auch in die Perspektive deines 80-jährigen Ichs versetzen und fragen: Was war das Wichtigste und Schönste in deinem Leben?
Erlaub dir, auch die großen Wünsche und geheimsten Sehnsüchte aufzuschreiben!
Das ist übrigens Impuls 51 aus meinem Buch „100 Schreibglücksmomente, die dir Klarheit, Freude und Wert schenken“ – die restlichen 99 Impulse bringen dich garantiert ebenso deinem Schreibglück näher!
❤️ Deine Texte sind ebenso wandelbar wie du❤️
2015 gab ich meine germanistische Masterarbeit mit dem Titel „Sieben Söhne im Felde“ ab. Darin beschäftigte ich mich mit Familiendarstellungen im Ersten Weltkrieg. Einige Zeit später saß ich mit Theatermachern zusammen und meinte, es sei so schade, dass diese Masterarbeit an der Universität verstaube, woraufhin sie sagten: „Schreib ein Konzept – vielleicht ist das was für uns?!“
Im Mai 2017 feierte unser Theaterstück „Endzeit Europa“, eine Collage aus Originaltexten aus dem Ersten Weltkrieg, Premiere auf der Grazer Kanonenbastei.
Kein Text ist also verloren, nur weil er noch nicht fertig ist oder bei dieser einen Ausschreibung nicht angenommen wurde. Durchforste dein Archiv: Welche Fragmente und Schätze birgt es? Und wofür könnte der eine oder andere Text noch gut sein? Hör nicht auf zu schreiben und versuch weiterhin, deine Texte zu veröffentlichen!
❤️ Dein Glück ist erschreibbar ❤️
Oft ist das Glück gar nicht pompös und wie ein Foto aus einem Hochglanzmagazin, sondern es liegt in den kleinen Dingen, die wir wieder wertschätzen lernen dürfen.
Schreibe vom Glück! Von den kleinen und großen Dingen, die in dir ein Gefühl der Glücksseligkeit auslösen.
Wie fühlt sich Glück für dich an, wie wird es ausgelöst? Wenn du mehr dazu sammeln willst, schreib eine ABC-Liste mit dem Überthema „Was mich glücklich macht“. Wenn du willst, kannst du einen Begriff aus der ABC-Liste als Impuls für ein Freewriting nutzen, das du nach dem Schreiben zu einem Satz verdichtest, der mit „Glück ist …“ beginnt. Indem wir den Fokus auf die Fülle legen, kommt automatisch viel mehr Gutes in unser Leben – garantiert!
Ich habe mir übrigens in den Jahren als Single-Mom meinen Traummann erschrieben, mit dem ich seit 2019 verheiratet bin …
❤️ Dein Alltag kann zu Magie werden ❤️
Als ich noch beim Theater war, erarbeiteten wir ein Biopic über Charles Bukowski, der in seinen, oft betrunken verfassten Texten auch komplett Banales wie Zehennägel schneiden beschrieb, woraufhin ich mir zum Spaß dachte: „Na gut, dann schreib ich auch über ganz Alltägliches aus meinem kleinen Frauenleben“ -und fluggs entstand ein Text, der auf Anhieb in einer Literaturzeitschrift erschienen ist!
Daraus habe ich gelernt:
Auch das scheinbar Alltägliche kann einen spannenden Stoff liefern, vor allem, wenn andere Leser*innen sich damit identifizieren können.
❤️ Zusammen ist man weniger allein ❤️
Schreiben kann sehr einsam sein: Du sitzt mit deinem Text und deinen Gedanken allein am Tisch. Ich persönlich nutze unterschiedliche Arten von Schreibgruppen, sowohl online als auch offline. Denn gerade beim Schreiben kann Gemeinschaft unglaublich bereichernd sein.
In einer Schreibgruppe entsteht etwas Besonderes: Man schreibt gemeinsam und doch ganz für sich. Man bekommt Inspiration, Ermutigung und manchmal genau den kleinen Schubs, der gefehlt hat – und vor allem hängt man nicht am Handy und beantwortet E-Mails, die dich in deinem Schreibprozess so gar nicht weiterbringen…
Wenn es in deiner Gegend eine Schreibgruppe, einen offenen Schreibrraum oder ein Schreibcafé gibt: Probier es aus!
Und wenn du nichts findest, was zu dir passt: vielleicht magst du eine eigene Gruppe starten? Möglicherweise gibt es Menschen in deiner Umgebung, die genau darauf gewartet haben!
❤️ Der innere Kritiker gehört dazu ❤️
Die meisten Schreibenden kennen diese nörgelnde Stimme im eigenen Kopf, die so Dinge sagt wie: „Das wurde schon tausendmal beschrieben!“ oder „Was hast du schon zu sagen?“ oder „Was soll das bringen, das aufzuschreiben? Ändert ja doch nichts!“. Die schlimmste innere Stimme sagt: „Du kannst nicht gut schreiben – also lass es.“
Es bringt gar nichts, diese Stimmen unterdrücken zu wollen – lad stattdessen deinen inneren Kritiker zum imaginären Kaffee ein und frage ihn: „Lieber innerer Kritiker, wovor willst du mich schützen?“ Und dann lass ihn erzählen – du wirst staunen, was er dir zu sagen hat! Und danach handle mit ihm aus, was sie / er braucht, damit sie / er sich deinen zukünftigen Vorhaben nicht mehr in den Weg stellt? Mach Bedingungen mit ihr / ihm aus, damit sie / er dich nicht mehr boykottiert! Welche Rolle kann dein innerer Kritiker während deines Tuns übernehmen (die dich allerdings nicht blockieren)?
❤️ Jede Veröffentlichung beginnt bei einem ersten Wort ❤️
Ein fertiger Text wirkt meist wie ein gelungener Guß: durchdacht, rund und druckreif. Dabei hat auch jeder noch so umfangreiche Text einmal ganz klein angefangen – mit einem ersten Wort, einem Satz, einer Idee. Und als Leser*in sehen wir immer das fertige, überarbeitete Produkt – doch jeder Text begann mit einer Beobachtung, einem Gedanken – und eben einem ersten Wort, das zum ersten Satz führte – ein erster Satz. der vielleicht nach der Überarbeitung auch der letzte sein kann.
Lass dich nicht abschrecken von all den guten und großartigen Texten da draußen – schreib dein Ding – Wort für Wort.
Und wenn du dabei begleitet werden willst, ich bin für dich da.
❤️Highlights highlighten macht glücklich❤️
Nimm deinen Kalender oder dein Handy zur Hand und schreibe einen Rückblick auf den letzten Monat, das letzte Halbjahr oder Jahr. Konzentriere dich hier bewusst auf Erlebnisse und Ereignisse, die kraftvoll, nährend und bereichernd waren.
Seitdem ich nämlich bei Ilona Matusch gelernt habe, jeden Monat bewusst mit einer Liste meiner Highlights abzuschließen, ist dieses wunderbare Rückblickritual auch Teil meines Schreiballtags – und hat meine Art, auf Zeit zurückzuschauen, grundlegend verändert.
Probiere es selbst aus! Was waren deine Monats- oder Jahreshighlights?
(Das ist Impuls 59 aus meinem Buch „100 Schreibglücksmomente, die dir Klarheit, Freude und Wert schenken“ – die restlichen 99 Impulse bringen dich garantiert ebenso deinem Schreibglück näher!)
❤️Die Zukunft liegt in deinen Händen❤️
Über die Jahre habe ich Schreiben als ein Werkzeug zur Selbstermächtigung kennengelernt. Durch das Schreiben fand ich heraus, wer ich bin, was ich bewirken will und was ich noch erleben will.
Selbstreflexives Schreiben hilft, Vergangenes neu zu erzählen und daraus eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie das nächste Kapitel aussehen könnte.
Wenn du dich aktiv deine Zukunft angehen möchtest, könnten meine kommenden Workshops etwas für dich sein:
❤️ Das nächste Kapitel am 3. Oktober 2026 von 13:30 bis 17 Uhr in Graz
❤️ Neuausrichtung – bewusst 2027 gestalten am 28. November von 13:30 bis 17 Uhr in Graz
Was hast du beim Schreiben über dich gelernt?
Lass es mich gern unter info@britta-badura.com wissen!
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to give it form and meaning.
It exposes what we have hidden,
unearths what we have neglected, misremembered, denied.
It is a method of capturing, of pinning down,
but it is also a form of truth, of liberation.”
Jhumpa Lahiri, Translating Myself and Others