Zehn Learnings meiner Hochzeitsreise
Als mir ein Arbeitskollege vom Pothole Rodeo erzählte, war ich sofort angefixt von der Vorstellung, zehn Tage lang mit einem Auto, das älter als 20 Jahre und billiger als 500 Euro sein musste, quer durch den Balkan zu fahren, genauer gesagt durch elf Länder. Als ich meinem jetzigen Mann davon erzählte, mit dem ich zu diesem Zeitpunkt etwa zwei Wochen zusammen war, schickte er mir im Minutentakt Anzeigen von Autos in den Kategorien crazy bis Schrottkarre. Meine einzige Bedingung war, dass das Auto rot sein musste. Und so holten wir ein paar Tage später einen roten Audi 80 Baujahr 1994 von einem Bauernhof in der Südsteiermark, fuhren durch blühende Apfelbaumfelder zurück nach Graz und ich fühlte die Freiheit in mir pochen.
Die ersten drei Tage sind wir wie wild durchgefahren und haben uns Zeit zur Erholung gewünscht, die wir auch bekommen haben, allerdings anders als gedacht: Als wir knapp vor der bulgarischen Siedlung Kapitan waren, begann der Motor zu rauchen. Kurzerhand hielten wir das erste Auto an, das über die schottrige einsame Straße rumpelte – zwei massige, bulgarische Männer, die sich wie zwei Schränke vor uns aufbauten, stiegen aus. Als der eine einen Dolch aus seinem Blaumann zog, schauten wir uns ängstlich an. Doch er benutzte das gebogene Messer lediglich, um kunstfertig den Motor aufzuschrauben. Es schien eine Dichtung gerissen zu sein, wo die Kühlflüssigkeit austrat. Kurzerhand schnitzte der Mann mit dem Dolch einen Stock von einem Busch zurecht und stopfte ihn ins Loch. Dann schenkten die Männer uns ein hühnereigroßes Stück Trüffel und erklärten uns in gebrochenem Deutsch den Weg zur nächsten Werkstatt. Wir zitterten die Strecke bis zur nächsten Siedlung und wurden von einem Mechaniker empfangen, der ebenso gebrochenes Deutsch beherrschte und dem einige Finger an einer Hand fehlten. Es war knapp vor Mittag, er schaute in den Motorraum und winkte uns zu seinem Lieferwagen. Dann brachte er uns ins nächste Restaurant und sagte, wir sollen in zwei Stunden wiederkommen. Wir aßen in Ruhe und nahmen uns die Zeit für Gespräche und gemeinsame Träume. Inklusive Kaffee und Creme Karamell zahlten wir für das gesamte Mittagessen umgerechnet 10 Euro. Auch die Reparatur unseres Autos kostete nicht viel mehr und schon kurvten wir weiter durch Bulgarien. Die zwei Semester Russisch lohnten sich nun zum ersten Mal, als ich die Straßenschilder entziffern konnte, in Griechenland übernahm das mein Mann, der viel Mathematik in seinem Studium gehabt hatte. Nach diesem kurzen Intermezzo wurde die Rallye endlich zum Urlaub: Einfach nur Auto fahren und an nichts denken außer an das nächste Ziel (und die nächste Mahlzeit).
Diese Learnings habe ich damals in mein Tagebuch notiert:
🧡 Hab Vertrauen.
🧡 Probleme sind erst dann welche, wenn du sie dazu machst.
🧡 Frag nach Hilfe und es wird dir geholfen.
🧡 Kleine Dinge sind großer Luxus.
🧡 Die Sprachen der Liebe wie Freundlichkeit, Höflichkeit und Dankbarkeit sind universell.
🧡 Humor hilft.
🧡 Verluste sind meistens auch Gewinne.
🧡 Wenn du eine Pause brauchst, nimm sie dir.
🧡 Bleib in Kontakt mit deinem Herzen.
🧡 Der Weg nach Hause ist am längsten.
Was sind deine wichtigsten Learnings aus einer lebensverändernden Reise?
PS: Mein Mann trug in den zehn Tagen übrigens ausschließlich Hawaiihemden und ich bestand darauf, dass er sich zum Spaß einen Schnauzer stehen lassen solle. Zum ersten Mal in seinem Leben trug er Schnurrbart – und er sah Tom Selleck zum Verwechseln ähnlich. Freunde, die wir auf der Balkanrallye kennengelernt haben, nennen ihn bis heute noch ausschließlich „Magnum“ ❤️
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